1. Russische Revolution von 1905
1.1. Ursachen
- Unzufriedenheit der Bauern, denn nach der Bauernbefreiung von 1861 wurde der Erwerb von Ländereien nicht im erwarteten Maße vollzogen
- mit fortschreitender Industrialisierung entstand in den Städten ein zunehmend unzufriedenes Proletariat
- am Rande des russischen Reiches widersetzten sich viele Nationalitäten der "Russifizierung", und damit dem Verlust ihrer kulturellen Eigenheiten
- in den seit 1864 bestehenden Selbstverwaltungen (Semstwos) forderten die Intelligenz, die gebildete Oberschicht und die liberalen Teile des Adels weitreichende Reformen, eine Verfassung und damit eine konstitutionelle Monarchie (Semstwos-Versammlung, November 1904)
- nach dem Marxismus ausgerichtete revolutionäre Kreise und Parteien (meist illegal) bildeten sich und führten schließlich zur Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands (SDAPR); 1903: Spaltung in Bolschewiki und Menschewiki
- alle diese Gruppierungen agierten bei den Bauern sowie dem Proletariat und forderten weitreichende evolutionäre und revolutionäre Umbrüche in Politik und Gesellschaft
- schwere Wirtschaftskrise
- russisch-japanischer Krieg, in dem sich eine Niederlage Rußlands abzeichnete, zu der es dann schließlich auch kam
1.2. Blutsonntag
- Auslöser für eine weitreichende Streikbewegung Anfang 1905
- am 22.01.1905 protestieren 200000 Arbeiter friedlich, unbewaffnet und mit Heiligenbildern und Kirchenfahnen, vor dem Winterpalais in Sankt Petersburg gegen die elende Situation des russischen Volkes
- obwohl der Protestmarsch schon Tage vorher dem Zaren angekündigt worden war, schießen staatstreue Truppen die Menge zusammen und töten über 500 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder
- die Folge ist eine Welle von Aufstände, Streiks, Meutereien und Unruhen was schließlich der Auslöser für die 1. Russische Revolution ist
1.3. Verlauf
- Blutsonntag
- daraufhin kündigt Nikolaus II. die Einberufung einer beratenden Versammlung an
- vorübergehendes Abflauen der Unruhen
- auf Initiative Trotzkis und Lenins bildeten sich in Moskau und St. Petersburg Arbeiterräte (Sowjets), die einen Verfassungsstaat und politische Mitbestimmung des russischen Volkes forderten
- Meuterei auf dem Panzerkreuzer Potemkin (erstes Schiff unter roter Flagge)
- im Oktober: Generalstreik, weitere Aufstände und Wellen der Gewalt gegen das zaristische und autokratische System
- in St. Petersburg tritt erstmals ein Sowjet zusammen, Moskau und der Rest des Landes folgen dem Beispiel
- der Zar ist in Nöten, er erläßt das Oktobermanifest (30. Oktober)
- in diesem Manifest stimmt er der Einberufung einer Volksvertretung mit eingeschränkter gesetzgebender Gewalt zu, er erlaubt den Erlaß einer Verfassung und steht dem russischen Volk Grundrechte wie Presse-, Rede- und Versammlungsfreiheit zu; Sergej J. Witte wird Ministerpräsident
- die Bolschewiki setzen die Aufstände unterdessen fort
- der Petersburger Sowjet wird verhaftet, der anschließende Arbeiteraufstand vom 22.12.1905-01.01.1906 wird blutig niedergeschlagen, ebenso die Unruhen auf dem Lande
- die Vergeltungsmaßnahmen des zaristischen Regimes ziehen sich bis 1907 hin
- am 02.05. wird Witte entlassen und neben der Duma etabliert sich der Reichsrat der dieselben Kompetenzen hatte und zum aus Teil vom Zar ausgesuchten Personen bestand
- die Linken boykottieren die Duma
- Auflösung der Duma, neuer Ministerpräsident: Pjotr A. Stolypin
- zweite Duma mit den Linken, 1907 wird auch diese aufgelöst
- dritte Duma entsteht nach den Vorstellungen von Zar und Reichsrat, ihre Rechte waren im Verglcih zu den beiden ersten noch weiter eingeschränkt, sie war weitgehend wirkungs-, recht- und sinnlos
1.4. Ergebnis
- das liberale Bürgertum war mit seinen Forderungen nach einer konstitutionellen Monarchie gescheitert
- die Arbeiterbewegung mit ihrem Ziel nach weitreichenden Umänderungen politischer, gesellschaftlicher und sozialer Verhältnisse ebenso
- auch die Bauern konnten ihre Erwartungen nicht realisieren, es gelang keine Verbindung zwischen Bauern- (90%) und Arbeiter- (10%) Bewegung
- Ende 1906 entwickelte das zaristische System aber eine erstaunliche Reformkraft, die Kluft zwischen Zar, Intelligenz, und besitzender Klasse sowie dem Volk war jedoch nicht so leicht zu schließen, die Initiative des Zaren kam ein Jahrzehnt zu spät
- trotzdem: unter den Bedingungen des Scheinkonstitutionalismus entwickelten sich Strukturen, die schließlich in der Februarrevolution 1917 die Ablösung des Zarismus ermöglichten